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Die Viertels Wahrheit. Garantiert nichts Autobiographisches

Sie tunkte ihren Keks in den Kaffee. »Sag mal, kannst du eigentlich kochen?«
»Kochen?«, wiederholte ich verdutzt.
»Ja. Kannst du das? Seit du hier arbeitest, bringst du jeden Tag Marmeladenbrote mit.«
»Naja, ich kann Spaghetti und Nudeln und sowas machen.«
Sie stand auf und fing an, in einigen Kisten mit Platten herumzustöbern.
»Du armer Irrer. Hättest du mir gleich sagen sollen. Ich kann dir doch was kochen. Beim nächsten Mal bringe ich ein anständiges Mittagessen mit.«
»Brauchst du nicht. Wirklich.«
Sie hörte mich gar nicht, stattdessen zog sie eine Platte heraus und betrachtete sie nachdenklich.
»Und wie ist es mit Jazz?«, fragte sie über die Schulter.
»Jazz?«
»Ja. Wie sieht es damit aus?«
Ich zuckte mit den Schultern. »Wie mit dem Kochen, würde ich sagen.«
Sie lachte. »Du bist echt ein merkwürdiger Mensch. Was hörst du denn, wenn du Jazz hören willst?«
»Rock.«
Sie schüttelte den Kopf. »Du armer Irrer. Ihr seid alle gleich. Ihr könnt nicht kochen und habt keine Ahnung von Jazz. Pass auf, es gibt Sachen, die muss man im Leben einfach lernen, verstehst du? Und die beiden Sachen sind solche Sachen. Hör zu, wir machen das so. Ich bringe dir das Kochen bei und du hörst ein bisschen mehr Jazz, in Ordnung? Da, fang damit an.« Sie warf mir irgendwas von Keith Jarreth auf den Schoß.
Ich nickte. »Ich komme mir vor wie in einem Murakami-Roman.«
Sie lachte.
22.9.07 21:47


Musik und Lesen

Der geheimnisvolle Fremde steht exakt zwischen der Musik und der Literatur. Das tut er seit Jahrzehnten.
Kürzlich hat er sich einen Scherz mit mir erlaubt.

Über die ungreifbare Verbindung zwischen Literatur und Musik ist bereits vieles geschrieben worden. Eines das Vermächtnis des anderen, untrennbar verwoben in: Lyrik. Genau.

Neulich saß ich als Beifahrer im Auto auf dem Weg in die Stadt und las Hemingways "Wem die Stunde schlägt".
Maria erklärt dem Inglés gerade mit einem gewissen verzweifelten Stolz, wie man sich die Kehle aufschlitzt. Ich weiß den Wortlaut nicht mehr, obwohl ich ihn mir merken wollte. Für den Fall, dass ich im Alter ein Zyniker werden sollte, muss ich über solche Dinge bescheid wissen.
Auf jeden Fall erzählt Maria gerade sehr sorgfältig und genau wie sie sich in Gefangenschaft verhalten würde, das Messer knapp unter das linke Ohr ansetzen und dann mit passablem Druck quer rüber zum anderer Ohr, und so weiter ... da höre ich entfernt ein Lied, das mir schon nach den ersten Sekunden bekannt vorkommt, diese Stimme, das ist doch Cat Stev... also Yusuf Islam und er singt, ist es zu fassen: the first cut is the deepest.
Kurz bin ich verblüfft, über das Besondere im Allgemeinen und das Allgemeine im Besonderen, dieser zynische, zyklische Schweinehund namens "Leben", aber dann beruhige ich mich: Das Leben weiß Bescheid, kennt die Sachlage, und es ist verdammt alt. Es darf zynisch sein.
22.9.07 21:58





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