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Musik und Lesen

Der geheimnisvolle Fremde steht exakt zwischen der Musik und der Literatur. Das tut er seit Jahrzehnten.
Kürzlich hat er sich einen Scherz mit mir erlaubt.

Über die ungreifbare Verbindung zwischen Literatur und Musik ist bereits vieles geschrieben worden. Eines das Vermächtnis des anderen, untrennbar verwoben in: Lyrik. Genau.

Neulich saß ich als Beifahrer im Auto auf dem Weg in die Stadt und las Hemingways "Wem die Stunde schlägt".
Maria erklärt dem Inglés gerade mit einem gewissen verzweifelten Stolz, wie man sich die Kehle aufschlitzt. Ich weiß den Wortlaut nicht mehr, obwohl ich ihn mir merken wollte. Für den Fall, dass ich im Alter ein Zyniker werden sollte, muss ich über solche Dinge bescheid wissen.
Auf jeden Fall erzählt Maria gerade sehr sorgfältig und genau wie sie sich in Gefangenschaft verhalten würde, das Messer knapp unter das linke Ohr ansetzen und dann mit passablem Druck quer rüber zum anderer Ohr, und so weiter ... da höre ich entfernt ein Lied, das mir schon nach den ersten Sekunden bekannt vorkommt, diese Stimme, das ist doch Cat Stev... also Yusuf Islam und er singt, ist es zu fassen: the first cut is the deepest.
Kurz bin ich verblüfft, über das Besondere im Allgemeinen und das Allgemeine im Besonderen, dieser zynische, zyklische Schweinehund namens "Leben", aber dann beruhige ich mich: Das Leben weiß Bescheid, kennt die Sachlage, und es ist verdammt alt. Es darf zynisch sein.
22.9.07 21:58


Die Viertels Wahrheit. Garantiert nichts Autobiographisches

Sie tunkte ihren Keks in den Kaffee. »Sag mal, kannst du eigentlich kochen?«
»Kochen?«, wiederholte ich verdutzt.
»Ja. Kannst du das? Seit du hier arbeitest, bringst du jeden Tag Marmeladenbrote mit.«
»Naja, ich kann Spaghetti und Nudeln und sowas machen.«
Sie stand auf und fing an, in einigen Kisten mit Platten herumzustöbern.
»Du armer Irrer. Hättest du mir gleich sagen sollen. Ich kann dir doch was kochen. Beim nächsten Mal bringe ich ein anständiges Mittagessen mit.«
»Brauchst du nicht. Wirklich.«
Sie hörte mich gar nicht, stattdessen zog sie eine Platte heraus und betrachtete sie nachdenklich.
»Und wie ist es mit Jazz?«, fragte sie über die Schulter.
»Jazz?«
»Ja. Wie sieht es damit aus?«
Ich zuckte mit den Schultern. »Wie mit dem Kochen, würde ich sagen.«
Sie lachte. »Du bist echt ein merkwürdiger Mensch. Was hörst du denn, wenn du Jazz hören willst?«
»Rock.«
Sie schüttelte den Kopf. »Du armer Irrer. Ihr seid alle gleich. Ihr könnt nicht kochen und habt keine Ahnung von Jazz. Pass auf, es gibt Sachen, die muss man im Leben einfach lernen, verstehst du? Und die beiden Sachen sind solche Sachen. Hör zu, wir machen das so. Ich bringe dir das Kochen bei und du hörst ein bisschen mehr Jazz, in Ordnung? Da, fang damit an.« Sie warf mir irgendwas von Keith Jarreth auf den Schoß.
Ich nickte. »Ich komme mir vor wie in einem Murakami-Roman.«
Sie lachte.
22.9.07 21:47


Also gut, du bist einsam, sprach der Ketzer. Aber ich weiß nicht, ob Gesellschaft eine passable Lösung für das Problem darstellt.

Und ob ich Mücken im Raum habe! JA, ich werde gestochen. Nein, es macht mir nichts aus.
19.8.07 22:52


Es fiel mir nur so auf und ich musste es schnell aufschreiben, um zu sehen, ob dieser Satz wirklich existiert, er hört sich ja schon ein wenig verrückt an, aber es ist wahr: Tröstlich zu sehen, dass andere auch zwanzig werden ...
19.8.07 15:04


Neues aus dem Reich der Mitte, Teil 2

Es gibt ein chinesisches Sprichwort, das sich zufällig im Deutschen reimt:

Stirbst du im Traum, wachst du nie auf
Überlebst es wohl kaum, Tote wie dich gibt's zuhauf!



Qualamaldildo, seines Zeichens unübertroffener Onomatopoet im Angestelltenverhältnis seiner kaiserlichen Hoheit Tin-Ten dem Unbeherrschten - lang und fruchtbar möge seine Herrschaft sein - war unversehens in den Bann einer tragischen und magischen Liebe geraten.

Er war, wie es so geschieht, einer lieblichen und wundersamen Prinzessin verfallen,
die unglücklicherweise unter dem traurigen Schicksal litt, Schrifstellerin zu sein.
Das Zauberwort war: Kurzgeschichten. Der einzige Einlass zu ihrer Seele.

Qualamaldildo sah in seiner Angebeteten eine literarische Gefährtin für die Welt der Worte.

Er tanzte in konzentrischen Kreisen um die Gemächer der Prinzessin.

Tag für Tag lispelte sich der Poet pflichtschuldig durch melodiösen Dünnschiss,
um die treudoofen Konkubinen am Kaiserhof in ihre unproblematische verträumt-verklärt-romantische Naivität zu wiegen. Er irrte psalmodierend durch die riesigen Palastgärten
und ließ Gedichte erblühen, in denen er vor der Volksmenge die Schönheit des Reiches wuchern ließ. Er saß vor dem von prachtvollen Tigern und gewaltigen Elefanten umkreisten Thron und schwang dem Kaiser Siegeshymnen, in denen Kriesgeschrei und Triumphmärsche widerklangen.

Kurzum, er war der plappernde Papagei auf der Schulter eines gefürchteten Piraten. Er rezitierte größtenwahnsinniges Gebrabbel und heuchelte dabei ungekünsteltes Frohlocken. Er war der Komponist kaiserlicher Verlautbarungen, Dirigent seiner Anordnungen, leibhaftiger Soundtrack des Kaiserlebens. Tief in seinem Inneren jedoch, in jedem Moment seines Lebens war er in die Tochter seines Chefs verliebt.


Tin-Ten - glanzvoll und glorreich ranke sich sein unsterbliches Leben durch die Ewigkeit - pflegte alle wichtige Entscheidungen beim Essen zu treffen. Mitunter geschah es, dass eine beim Hauptgang vorgetragene Debatte heftigst an das Verantwortungsbewusstsein seiner Hoheit appellierte, was in den auschweifenden Gebrauch beschreibender Gesten ausartete.
Das trug dem Kaiser den Spottnamen Tin-Ten Kleckshose ein.

Als Qualamaldildo bei einem fürstlichen Bankett um die Hand seiner Tochter anhielt, verspritzte Tin-Ten - groß und in Stein gemeißelt erscheine sein Name in allen bedeutenden Steinen dieser Welt - halbverdauten Kirschblüteneintopf in der Speisehalle.

"Was sagst du da?"
"Eure Tochter, eure Hoheit. Eure Antwort?"

Tin-Ten - gülden und gepriesen und so weiter - kam nach tagelangem missgünstigem Grübeln zu folgendem Schluss:

Um seine Tochter ehelichen zu dürfen, müsse sich Qualamaldildo als würdiger Held erweisen und sich durch die sieben Träume bis zur göttlichen Jadekaiserin der erhabenen Wünsche hochschlafen. Wenn er der Prinzessin drei Geschenke mitzubringen vermöge, so sei es ihm gestattet, die Prinzessin in das Schlachtfeld der Ehe zu führen.

Das erste Geschenk war eine Antifalten- und Pickelcreme, die dem Klienten die vornehmene chinesische Blässe versprach, in der sich das Licht der Sterne spiegelte.

Das zweite Geschenk war ein Kuscheltier, an dem die Prinzessin in ihrer Kindheit sehr gehangen hatte. Als sie sieben Jahre alt geworden war, hatte das Kuscheltier gesagt, dass es nun sterben müsse, um die Entwicklung der Prinzessin nicht zu hemmen.

Das dritte Geschenk blieb ein Geheimnis, das nie gelüftet wurde.

Qualamaldildo stimmte den Bedingungen zu. Er bekam ein Getränk aus einer verzauberten Traubensaftzubereitungsmaschine, die ihn in einen tiefen Schlaf fielen ließ.

Die ersten drei Träume überstand der Onomatopoet problemlos. Er lieferte die Creme und das Kuscheltier ab. Er brachte sogar die Leiche des Kuscheltierfriedhofswärters mit, einen schneeweißen Eisbären mit einem kurzen Namen.

Aus den anderen Träumen jedoch ist er nie erwacht.
Einige Traumdeuter munkeln, dass Qualamaldito der Anmut der Jadekaiserin erlegen sein müsse und nun im Konkubinat weile, dich gedrängt zwischen all den anderen verlorenen Seelen, die vergeblich auf eine Liebesnacht warteten.



Stirbst du im Traum, wachst du nie auf
Überlebst es wohl kaum, Tote wie dich gibt's zuhauf!


Wispert die Kaiserin ihnen zu, lächelnd, in vornehmer chinesischer Blässe, die Sterne spiegeln sich darin.


Vorgaben:
Traubensaftzubereitungsmaschine, Tintenkleckshose, Dildo, kurzgeschichten.de, Antifalten- und Pickelcreme, Kuscheltierfriedhofswärter
29.7.07 12:59


Anna, Prinzessin Liebe
Milan, der Schwarzmilan
Esmé, die Erzählerin
Balthasar, der Verstorbene
Ich, der Langsame
16.7.07 21:10


Ende der Welt

Ein blauer Käfer flog mir ins Ohr und ich schluckte ihn herunter.
10.7.07 21:58


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